Tastaturschreiben an Schulen,
eine Vorbedingung

Über die Richtige Einführung in das Digitale

Es ist widersprüchlich, dass in Österreich ab der 1. Unterstufe Laptop‑Pflicht herrscht – aber kein verpflichtender Unterricht im Tastaturschreiben vorgesehen ist (sondern nur, je nach Schule, freiwillige Übungen am Nachmittag).
Aus meiner langjährigen Erfahrung mit Computer: es ist wichtig, dass ich das Digitale beherrsche, damit das Digitale nicht mich beherrscht. Sucht entsteht auch dort, wo man nicht lernt, das Digitale effizient zu benützen, ihn also gut zu beherrschen.

Auch eine klare Trennung zwischen Handschreiben und Tippen wäre notwendig. Handschreiben bleibt, nach den neuesten Erkentnissen und auch schon lange nach gesundem Menschenverstand und Erfahrung eines jeden Pädagogen, essenziell für das Lernen. Die Beziehung zwischen Hand+Motorik und Gehirn+Gedächtniss, ist sehr wichtig. Daher kann Handschreiben nicht mit Tippen ersetzt werden, weil das Tippen nicht in gleicher natürlicher Weise das Lernen unterstützt. Handschreiben sollte weiter aktiv benützt werden, besonders für Unterrichtsnotitzen und Kreatives. Das Tippen sollte erlernt werden, um eher die formelle Seite der Schreibarbeit zu unterstützen (zB für spätere DTP-, CAD-, oder Office-Software).

Wenn dazu das Tippen nur intuitiv praktiziert wird, erzeugt es eine doppelte Belastung des Kindes: durch das nicht effiziente Tippen wird ein Großteil der Konzentration für das Tippen benützt, und bleibt nicht frei für das Denken und der Kreativität. Man beschäftigt sich nicht mit dem zu kreierenden Text, sondern mit dessen Tippen.

Viele Lehrkräfte berichten: Kinder sollen plötzlich längere Texte tippen, aber haben keinerlei Technik gelernt. Das führt zu:

  • chaotischen Tippmustern
  • langsamen Textproduktion
  • Frust beim Schreiben
  • schlechten ergonomischen Gewohnheiten
  • später schwer korrigierbaren „eingeschliffenen“ Mustern

Dabei gibt es unzählige Tipp-Lern-Programme mit denen man spielerisch in circa 10 Stunden das Tippen mit zehn Fingern erlernen kann, auch ohne Unterstützung durch Lehrer.

Warum gerade 11‑Jährige ein Tipptraining brauchen

In diesem Alter sind Kinder:

  • motorisch weit genug entwickelt, um ein 10‑Finger‑System zu lernen
  • kognitiv in der Lage, Routinen bewusst einzuüben
  • motiviert durch spielerische Lernformen
  • noch flexibel genug, um schlechte Gewohnheiten zu vermeiden

Und: Sie müssen ab der Unterstufe ständig tippen – in Deutsch, Englisch, Geschichte, Biologie, überall. Das ist ein massiver Arbeitsaufwand, der ohne solide Tipptechnik unnötig schwer wird.

Pädagogisch betrachtet

Viele Länder (z. B. Dänemark, Niederlande, USA) haben es längst erkannt:

Tastaturschreiben ist eine Grundkompetenz wie Lesen und Rechtschreiben.

Österreich hinkt da hinterher. Wenn man Kinder ohne Vorbereitung in eine Laptop‑Pflicht schickt, ist das so, als würde man sie Radfahren lassen, ohne vorher Bremsen zu üben.

Was sinnvoll wäre

Ein realistisches, pädagogisch sinnvolles Modell:

  • Kurs für Tastaturschreiben innerhalb der DGB-Stunden oder auch gekoppelt mit anderen Stunden (insges. 10–15 Stunden, spielerisch, kurze Einheiten)
  • Parallel dazu regelmäßige kurze Übungsphasen im Unterricht (5 Minuten Warm‑up)
  • Ziel: Nicht Perfektion, sondern solide Grundtechnik, bevor das Tippen zum Hauptwerkzeug wird.

Fazit

Es ist ineffizient und unfair, Kinder Texte tippen zu lassen, ohne ihnen vorher das Werkzeug beizubringen. Das ist, als würde man sagen: „Schreib einen Aufsatz – aber wie man einen Stift hält, erklären wir dir später.“ Das Beibringen des richtigen Tippens kann einfach und spielerisch erfolgen, es klappt sehr gut, zumindest aus meiner Erfahrung mit meiner Tochter.
Dazu würde die Trennung zwischen effizientes Tippen (für Formales) und Handschreiben (für das Lernen und das Kreative) ein Vorteil bringen.